Kirchenmusik an Weihnachten

Kirchenmusik an Weihnachten 2017

Liebe Pfarrgemeinde,
auch dieses Jahr stellt sich wieder die Frage: Was gibt es kirchenmusikalisch zu Weihnachten?
Ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen: Die "Missa solememnis pastoralis" des tschechischen Komponisten Zikmund Michal Koleovský (1817 - 1868) steht auf dem Programm.
Nicht gerade ein bekannter Name, dennoch ist es ganz ausgezeichnete Musik. Hierzu aber später mehr. Blicken wir zuerst auf den Lebenslauf des Komponisten und Lehrers: Seine vielseitige musikalische Ausbildung erhielt er zunächst von seinem Vater, der Organist in Prag war. Dann studierte er Violine am Prager Konservatorium, widmete sich aber auch dem Kompositions-, Gesangs-, Kirchenmusik- und Orgelstudium. Zu seinen Lehrern in den theoretischen Fächern gehörten hier bedeutende Persönlichkeiten des Prager Musiklebens wie Bed "ich Divia" Weber (1766 - 1842), Jan Václav Tomáaek (1774 - 1850) oder Jan Nepomuk Augustin Vitásek (1770 - 1839), und im Orgelspiel waren es Robert Führer (1807 - 1861) und Václav Emanuel Horák (1800 - 1871), von dem auch schon die "Missa pastoralis" in Mering zur Aufführung kam.


Zikmund Koleovský war Mitglied des Theaterorchesters. Nach dem Tod seines Vaters wurde er 1839 Chordirektor und Organist bei St. Stephan und ab 1840 auch an der Jesuitenkirche St. Ignatius in Prag. Von 1855 bis 1859 war er der Direktor der Akademie ofínská. Doch weil das Institut seiner Meinung nach zu konservativ geführt wurde, trat er von dieser Stelle zurück und gründete im Juli des Jahres 1860 seine eigene Musiklehrerausbildungsstätte. Hier lehrte er die Grundlagen der Musikwissenschaft, der Komposition und des Gesanges. Von 1863 bis zu seinem Tode unterrichtete er Orgelspiel am Deutschlehrerinstitut. Der Wunsch 1865 Direktor des Prager Konservatoriums zu werden, wurde ihm nicht erfüllt.
Seit der Gründung des Dalibor Musikverlages im Jahr 1858 widmete sich Koleovský dem Genre des Musikkritikers. Und auch dem Musikmagazin Slavoj stellte er seine Dienste von 1862 bis 1865 zur Verfügung. Als Hauptverantwortlicher der Sparte Oper schrieb er sorgfältig recherchierte und detaillierte Konzert- und Theaterkritiken - sowohl unter seinem Namen als auch unter einem Pseudonym. Und obwohl seine analytischen Fähigkeiten ausgezeichnet waren, gehörte er nicht zu jenen einflussreichen Persönlichkeiten, die eine Kontroverse auslösten oder sich an einem Streitgespräch beteiligten. Seine Schwerpunkte lagen eher darin, den Geschmack des Publikums zu lenken und die Untugenden der Sänger taktvoll zu beanstanden. Auf der Kritikliste standen stimmliche Manierismen (Übertreibungen und unnatürliche Verkünstelungen), unschöne Stimmen, falsche Aussprache und nicht richtig umgesetzte Noten und Töne.
Zu seinem eigenen musikalischen Schaffen gehören u. a. drei Introiten (1840, 1842 und 1843), drei "Veni sancte Spiritus" (1836, 1850), eine Missa solemnis (1852), eine Vertonung des 50. Psalms sowie 30 Kirchenlieder.

Nun zur "Missa solemnis pastoralis" selbst. Kolešovský, der in das Zeitalter der Romantik hineingeboren wurde, ließ als Anhänger der altböhmischen Schule kirchenmusikalisch nur Haydn und Mozart gelten. Dies lässt sich auch deutlich an der musikalischen Sprache in seiner groß angelegten Messe beobachten. Die Harmonik hätte für damalige Verhältnisse schon "romantischer" ausfallen können, doch erklärt seine Haltung diesen Tatbestand. Allerdings verpflichtet sich sein Kompositionsstil nicht nur den Idealen der Wiener Klassik, in die Mozart und Haydn gehören, sondern greift auch tatsächlich gerne in die romantische Schatzkiste: üppige Orchesterbesetzung (1 Flöte [für die Meringer Aufführung habe ich noch eine 2. Flötenstimme hinzukomponiert, 2 Oboen [in Mering durch 2 Klarinetten gespielt], 2 Fagotte, 2 Hörner, 2 Trompeten, Pauken, 1. & 2. Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass, 4 Gesangssolisten, 4stimmiger gemischter Chor und Orgel, die auch gleich mit einem kleinem Solo bedacht ist.) Ein instrumentierungstechnisches Novum birgt das Gloria in sich. Die gesangliche Eröffnung beginnt mit einem vierstimmigen Frauenchor, der den Gesang der Engel imitieren soll. Zusätzlich wird dieser von den beiden Trompeten begleitet, jenen Instrumenten, mit denen man sich Engel gerne musizieren vorstellt. Das so Geniale daran ist, dass Trompeten bis dato eigentlich nur in Verbindung mit den Pauken zum Einsatz kamen und nicht mit einem Frauenchor allein.
Der Abschluss des Glorias, das "Cum Sancto Spiritu", ist in Fugenmanier (Fuge= musikalische Kompositionsweise, bei der ein Thema durch alle Stimmlagen imitiert wird) komponiert, das bei jeder größeren Messe zum guten Geschmack gehörte.

Darüber hinaus finde ich auch erwähnenswert, dass das Kyrie nicht wie häufig üblich im 6/8 Takt beginnt, diese Taktart soll das Wiegen des Kindes verbildlichen, sondern im 2/4 Takt. Die weihnachtliche Assoziation durch den 6/8 Taktes spart er grundsätzlich nicht aus, sondern bringt sie geschickt später im Agnus Dei ein.
Alle anderen Schön- und Besonderheiten darf Ihr Ohr selbst erkunden. Die Messe wird nur nicht wie sonst in St. Michael, sondern in Mariä Himmelfahrt aufgeführt werden. Da kann sich der Hörgenuss auch gleich besser entfalten, weil zum einen dort die große Besetzung auf der Empore mehr Platz findet und zum anderen durch die leicht hallende Akustik das Singen und Musizieren ein unterstützendes Fundament erfährt.

Ihr Kirchenmusiker
Christian Schwarz




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