Münchner Kardinal Marx zu Weltbild, Familienumfrage und Papst

Am nächsten Wochenende fliegt der Münchner Kardinal Reinhard Marx (60) wieder nach Rom zur Versammlung der Kardinäle . Das Konsistorium berät über die Familienumfrage  - ein Jahr nach dem Rücktritt des Papstes. Die Weltbild-Mitarbeiter  kämpfen um die Zukunft ihres Unternehmens. Und in einem Monat wählt die Deutsche Bischofskonferenz einen neuen Vorsitzenden. Im Interview äußert sich der Erzbischof von München und Freising über aktuelle Herausforderungen...

Frage: Herr Kardinal, jüngste Umfragen unter Katholiken zeigen, wie groß die Kluft zwischen Leben und Lehre in der Sexualmoral geworden ist. Was fangen die Bischöfe mit diesem Befund an?

Marx: Zunächst hoffe ich, dass sich die Beteiligten in unserer Zusammenfassung  wiedererkennen. Der Papst möchte eine breite Debatte, ein echtes Hinschauen auf die Wirklichkeit. Vielleicht sind wir als Lehrer des Glaubens auch selber schuld am Eindruck, die Katholiken wären gegen die Lehre der Kirche. Denn das ist eine schiefe Wahrnehmung. Lehnt die Mehrheit die Unauflöslichkeit der Ehe ab? Nein. Lehnt sie ab, dass die Ehe ausgerichtet sein soll auf die Weitergabe des Lebens? Nein. Gehört Sexualität nicht in eine endgültige Beziehung? Wenn ich mit Jugendlichen spreche, möchten sie schon die Liebe ihres Lebens finden und nicht die Liebe für einen Tag. Das ist doch das, worauf es ankommt.

Frage: Aber hat die Kirche ihre Aussagen womöglich im Detail überzogen, etwa zum Thema Verhütung?

Marx: Vielleicht. Die Beichtspiegel der Vergangenheit waren oft sehr detailliert. Ob das wirklich weiterführt, bezweifle ich. Es muss ja auch die Gesamtsituation eines Menschen im Blick bleiben. Vielleicht steckt das Sakrament der Versöhnung auch deshalb in der Krise. Wenn wir als Kirche von Moral reden, sollten wir das eigentlich nicht auf der Basis von Sündenkatalogen und Strafregistern tun. Wir müssen den Menschen dabei helfen, ihr Leben unter dem Anspruch des Evangeliums  so zu gestalten, dass sie in ihrem Gewissen keine beliebigen, sondern reflektierte Entscheidungen fällen und natürlich auch da neu anfangen und umkehren, wo es nötig ist.

Frage: Welche Lösung haben Sie bei den Wiederverheirateten vor Augen?

Marx: Mit schematischen Regeln wird man den Menschen nicht gerecht. Was wir brauchen, sind Perspektiven für die, deren Ehen zerbrochen sind, obwohl sie auch einmal an deren Unauflöslichkeit geglaubt hatten. Es geht um Lösungen, die von den Betroffenen als Hilfe der Kirche erlebt werden und nicht als Abstrafung. Die Unauflöslichkeit der Ehe  ist eine große Weisung des Evangeliums. Daran müssen wir festhalten. Aber wer an diesem Ideal scheitert, sollte sich nicht für den Rest seines Lebens als Christ zweiter Klasse fühlen.

Frage: Sind Sie zufrieden mit dem Krisenmanagement der Bischöfe bei Weltbild?

Marx: Was wir tun konnten, haben wir getan. Zu Details möchte ich mich nicht mehr äußern. Ich hoffe auf möglichst gute Lösungen für die Mitarbeiter. Wichtig war, dass wir in der Bischofskonferenz klar gesagt haben, wir stellen die ursprünglich zur Restrukturierung von Weltbild zugesagten Mittel  auch jetzt zur Verfügung, um die Perspektiven für die Mitarbeiter zu verbessern. Dafür bin ich dankbar.

Frage: Vor einem Jahr hat Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt  erklärt. Haben Sie noch Kontakt zu ihm?

Frage: Ja. Ich erlebe ihn sehr wach. Er verfolgt aufmerksam das Leben der Kirche und ist mit sich im Reinen. Auch nach einem Jahr bin ich noch sehr beeindruckt von seinem revolutionären Akt. Ein mutiger, wirklich historischer Schritt. Sein Pontifikat wird langfristig nachwirken. Die Jesusbücher, seine Reden, seine ganze Theologie spricht Menschen weltweit an. Darüber können wir froh sein.

Frage: Sein Nachfolger mischt die Kirche gehörig auf - was ist von Papst Franziskus noch zu erwarten?

Marx: Tja, das müssen Sie ihn selber fragen (lacht). Franziskus  ist sicher ein Papst, der offen ist für Überraschungen. Aber in seinem ersten Jahr ist auch deutlich geworden, dass er keinen Bruch mit der Vergangenheit will. Franziskus geht voran, aber er denkt evolutiv und möchte möglichst alle mitnehmen. Bei äußeren Zeichen zeigt er Mut zu Unkonventionellem. In vielen Bereichen legt er aber großen Wert auf Beratung. Das finde ich sehr gut, und es macht mir Hoffnung für die Zukunft.

Frage: Wie geht er mit Ihnen im Kardinalsrat um?

Marx: Offen, brüderlich und demütig. Die Gesprächsatmosphäre ist außerordentlich angenehm. Anfangs habe ich mich gewundert, dass der Papst wirklich an jeder unserer Sitzungen teilnimmt, die ja immer über drei Tage gehen. Er hört genau zu, mischt sich auch mit konkreten Fragen ein. Offensichtlich macht es ihm Freude, verschiedene Gesichtspunkte aufzunehmen.

Frage: In wenigen Wochen wählt die Deutsche Bischofskonferenz einen neuen Vorsitzenden. Erstmals wird es dabei eine Art Vorkonklave geben. Wie gehen Sie damit um - vor dem Hintergrund Ihrer eigenen Konklaveerfahrungen vor einem Jahr im Vatikan?

Marx: Also - die Bischofskonferenz wählt keinen Papst. Insofern ist der Begriff Vorkonklave etwas abenteuerlich. Aber ich finde nicht verkehrt, dass wir uns einmal Zeit nehmen für eine Diskussion darüber, welche Aufgaben wir vor uns haben, ohne eine Personaldebatte zu führen.

Frage: Was liegt konkret an?

Marx: Die Arbeit des Sekretariats muss sicher weiter entwickelt werden und man muss überlegen, welche Schwerpunkte stärker auf nationaler Ebene behandelt werden müssen und was eher Sache der einzelnen Bistümer ist. Die Bischofskonferenz ersetzt ja die einzelnen Bistümer nicht, sondern will deren Tun zusammenführen. Die Bischöfe müssen prüfen, wie das so organisiert werden kann, dass der Beratungsfluss gut ist. Denn gerade in der Öffentlichkeit, in den Medien, aber auch in Kultur und Wissenschaft ist es wichtig, dass wir bundesweit präsent sind und qualitativ hochstehend, konzentriert, aber auch flexibel und reaktionsschnell auftreten können. Die Kirche sollte nicht ständig als Neinsagerin auftreten, die nur aus der Defensive heraus reagiert, sondern sie sollte einen starken Beitrag leisten für die Verkündigung des Evangeliums und sich in die Gesellschaft mit positiven und weiterführenden Interventionen einbringen.

Von Christoph Renzikowski (KNA)
© KNA

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