Osterlachen?

Im Mittelalter war Humor in der österlichen Liturgie ganz normal, sagt der Religionswissenschaftler Harald Alexander Korp. Und auch dieses Brauchtum wird in und um Mering (wieder) gepflegt, siehe die letzten Gottesdienste. Wir beleuchten die Hintergründe...

Am Ostersonntag im Jahre 1518, so die Überlieferung, entstieg der Geistliche im voll besetzten Baseler Münster seiner Kanzel und rannte, wie ein Schwein quiekend, auf allen vieren durch das Mittelschiff. Zu viel Messwein nach vierzig Tagen Abstinenz? Nein, was sich hier abspielte, nennt der Berliner Religionswissenschaftler Harald Alexander Korp das im Mittelalter übliche Osterlachen. Korp beschäftigt sich mit dem Sinn von Humor in Religionen.

Nach siebenwöchiger Fastenzeit und der Trauer des Karfreitags sollten die Gläubigen mit solcher Narretei zu befreiendem Lachen finden, erklärt Korp.

Für den "Risus Pascalis" erzählten Pfarrer auch komische Geschichten, Ostermärlein genannt, hat der schwäbische Protestant recherchiert. Eine Kostprobe: Maria und Josef suchen in Bethlehem ein Quartier. Gastwirt: "Ich habe kein Zimmer frei." Josef, auf Marias Bauch zeigend: "Sehen Sie nicht, in welchem Zustand sie ist?" Gastwirt unwirsch: "Dafür kann ich doch nichts." Josef entrüstet: "Ich vielleicht?"

Bei dieser sinnlich-sinnigen Anekdote stand freilich nicht der leicht frivole Inhalt im Zentrum - der Zweck heiligte hier die Mittel, und die Pointe diente der Auferstehungsbotschaft als Brücke. Die Gläubigen sollten die Angst vorm Sterben regelrecht weglachen, schließlich hatte Jesus den Tod besiegt, so Korp.

Über Humor und Religion spricht Korp am liebsten an "Originalschauplätzen" wie Moscheen, Synagogen, Tempeln und Kirchen. Das berühmteste Lachen der Bibel, weiß der Wissenschaftler, steht im gemeinsamen Glaubensbuch von Juden und Christen, dem Alten Testament. Als Abraham und Sara, beide hochbetagt, von Saras Schwangerschaft erfahren, lacht Sara Gott aus. Aber der Allmächtige zeigt Nachsicht. Die fast Hundertjährige bringt einen Sohn zur Welt und nennt ihn Isaak. Zu Deutsch: Gott lacht. "Das gesamte jüdische Volk", interpretiert Korp, "basiert also auf einem Lachen Gottes, denn aus Isaak entwickeln sich die Nachfahren."

Hat Jesus gelacht?

Hat aber der bedeutendste Nachfahre, Jesus, gelacht? Dezidiert erwähnt wird es nicht in der Bibel, sagt Korp. Doch die Tatsache, dass Jesus etwa die Hochzeit zu Kana mitgefeiert hat, lässt auf einen geselligen, wohl auch lachenden Gottessohn schließen. Ähnlich Mohammed, der Gründer des Islam. Wie sich herausstellt, ist er der einzige Religionsstifter, der nachweislich lachte. Anders etwa als der meist lächelnd dargestellte Gautama Buddha, der sich sonst in seinen Humoräußerungen eher bedeckt hielt.

Die in den Hadize-Schriften gesammelten Aussprüche des Korans präsentieren Mohammed als außerordentlich humorvollen, lebensklugen Menschen. Wie aber passt dazu die für manche erschreckende Abwesenheit jedweden Humors angesichts der Mohammed-Karikaturen? Auch Korp war davon überrascht, erklärt sich das Ganze aber wie folgt: Auch wenn der Prophet selbst gerne lachte, als Objekt der Lächerlichkeit wollen seine Anhänger ihn nicht missbraucht sehen.

Und wie steht es mit dem obersten Chef? Lediglich im zweiten Psalm Davids heißt es: "Die Könige der Erde stehen auf, die Großen haben sich verbündet gegen den Herrn (...). Doch er, der im Himmel thront, lacht, der Herr verspottet sie." Gott lacht also zurück über die Pläne der Menschen, interpretiert Korp und hat wiederum eine zeitgemäße Auslegung parat: Das geflügelte Wort "Wie bringt man Gott zum Lachen? Erzähl ihm deine Pläne."

Mit dem befreiten Lachen an Ostersonntag wäre Gott sehr einverstanden, ist der Protestant überzeugt und bedauert, dass das Osterlachen mit der Reformation immer seltener wurde. "Katholiken sind sowieso im Vorteil", findet Korp, "weil sie die Beichte haben, nach der man erleichtert und erlöst lachen und trinken kann." Priester, die sie mit skurrilen Darbietungen zum (Oster-)Lachen bringen, haben sie heute leider nicht mehr.

Von Sabine Kleyboldt
© KNA

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