Allein unter Meringern

„Michl“: Oliver, du bist ja hier doch ein Exot: als Kissinger den Mesnerposten in Mering annehmen. Wie bist du denn auf diese Idee gekommen?
Oliver Kosel: Nach 40 Jahren an ein und derselben Stelle habe ich mich mit einem Wechsel schon länger beschäftigt, deswegen bestanden schon früher Gedankenspiele, an einen anderen Ort zu gehen. Und als mich dann Pfarrer Thomas Schwartz angesprochen hat, ob ich nicht die offene Mesnerstelle in Mering besetzen möchte, war das eine schnelle Entscheidung. Der Wechsel war für mich wichtig und auch richtig.


Am Bunten Abend gibt’s ja erfahrungsgemäß jedes Jahr den ein oder anderen Witz auf Kissinger Kosten. Wie wurdest du von den Meringer Kirchgängern empfangen und aufgenommen?
Durchwegs positiv. Ich bin ja schon früher immer selbst unter Meringer Kirchgängern gewesen. So habe ich mir noch unter Leo Abolds Zeiten den Luxus gegönnt am Sonntagabend um 19 Uhr in St. Michael einen Gottesdienst ganz für mich zu besuchen, ohne irgendeinen Dienst tun zu müssen. Und schön war natürlich auch immer das Ratschen dann nach der Messe- daher ist es für mich auch eine Ehre in Leo Abolds Fußstapfen treten zu dürfen. Man kann also sagen, dass ich von den Meringer Kirchgänger schon viele kannte und durch die ein oder andere Familienbeziehung, die ja zwischen Meringern und Kissingern besteht, sehr leicht hier Zugang gefunden habe. Ich fühl mich in Mering sauwohl und derbe Scherze gibt’s unter den Kirchgängern nicht.
Das mit den Sprüchen bleibt also was für die große Bühne am Bunten Abend. Wie war das denn für dich heuer bei deiner Premiere?
Naja erstmals dabei stimmt so ja nicht, ich komme ja seit rund 15 Jahren jedes Jahr mit einem ganzen Tisch voll Kissingern zu dieser Faschingsveranstaltung. Und ehrlich gesagt, wenn es dort keinen Witz auf Kissinger Kosten gäbe, wären wir ja fast schon traurig, dass wir nicht drangekommen sind. Neu war für mich dann also nur, selbst auf der Bühne zu stehen und Teil der Schauspieler zu sein. Aber auch dort kenne ich viele durch die Andechswallfahrt und habe mich im Team schnell eingefunden und Spaß gehabt. Gerade auch meine Mitspieler Michael Lidl und Angelika Wolf sind mir gute Bekannte durch das Pilgern. Und ein Talent zum Schauspiel braucht man ja öfters, nicht nur auf der Bühne - das bring ich sozusagen von Haus aus mit.

Deine langjährige Teilnahme bei der Wallfahrt zum Heiligen Berg in den Meringer Reihen hast du ja gerade schon angesprochen. Waren deine Erfahrungen als Andechspilger hilfreich, um dich in Mering heimisch zu fühlen und zu wissen wie die Meringer so drauf sind?
Auf jeden Fall. Gerade das Andechspilgern ist gelebte Gemeinschaft- so eine Andechstruppe schweist einen zusammen. Und da war es nicht verwunderlich, dass mich damals schon Konrad Happach gebeten hat „du kannst das doch, komm stimm an des Lied“ und dann war ich Vorsänger. Auch sein Nachfolger Robert Wiemann, ja im Übrigen auch ein Kissinger, hat mich gleich als Vorsänger übernommen. Wir schauen immer, dass ich mit sangeskräftigen Männern um mich geschart, einen unüberhörbaren Block im zentralen Mittelfeld bilde.



Du bist ja nicht nur eine zentrale Figur in der Pfarrgemeinde Mering, sondern als Gemeinderat von Kissing auch dort eine Person öffentlichen Interesses. Gelingt der Spagat zwischen Mering und Kissing reibungslos?
Der Spagat gelingt sehr gut sogar. Ich würde sogar sagen, dass beide Ortschaften davon profitieren. Denn das was ich in Mering erlebe, nehme ich dann auf kommunaler Ebene oder für die Vereine als Idee zur Umgestaltung mit nach Kissing und andersrum. Ich habe ja auch mit meinen Erfahrungen Neuerungen nach Mering gebracht. Frisches Blut tut halt überall gut.
Was hat sich für dich im letzten Jahr alles geändert, seit du dein Amt in der Pfarrkirche St. Michael mitten in Mering angetreten hast?
Generell habe ich hier natürlich hier mehr liturgische Dienste als an meiner alten Wirkungsstätte. Mein Leben hat sich dementsprechend schon sehr geändert, aber das kann ich durchwegs positiv betrachten. So kenne ich den Vater von Pfarrer Schwartz durch die CSU schon 25 Jahre und schätze die familiäre Anbindung der Pfarrkirche an den Pfarrhof sehr. Sei es mal auf eine Tasse Kaffee oder beim Frühstück. Es ist in Mering einfach auch ein ganz anderes Arbeiten: das Logo „Mitten in Mering“ trifft es wirklich sehr gut. Seit meiner Zeit hier merke ich, dass ich wirklich in Merings Zentrum tätig bin, da geh ich mal schnell noch zum Markt runter oder in eines der Lokale im Umkreis. Ich steh hier in der Sakristei, schau ausm Fenster und bekomme mit, was in Mering so passiert, wer unterwegs ist oder gleich bei mir zur Tür reinschaut. Ich arbeite gerne mit Leuten und habe in dieser Pfarrei immer die Chance, irgendwo ins Gespräch zu kommen. Ich erlebe oft, dass sich die Leute einfach freuen, mich in der Kirche anzutreffen und ein paar Worte zu wechseln. Eine offene Kirchentür in der Ortsmitte und dort einen Ansprechpartner zu finden, das sehe ich als was ganz Wichtiges, als Teil erfahrbarer Seelsorge, an.
Gibt es denn auch Dinge, die noch nicht ganz rund laufen, und wo du dir Veränderung wünschen würdest?
Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden, ich habe ja eine frisch renovierte Kirche und von meinen Vorgängern eine Sakristei in sehr gutem Zustand übernehmen dürfen. Wenn dann gibt’s da wirklich nur Kleinigkeiten und vieles davon habe ich schon in Angriff genommen. Zum Beispiel die Lautsprecheranlage, das war mir ein Dorn im Auge. Da habe ich von meiner langen Erfahrung profitiert und eine andere Firma geholt, als ich gemerkt habe, dass das sonst nichts wird. Oder die Umkleide der Ministranten, das soll doch nicht nur ein Lager sein, sondern die Ministranten sollen gern kommen und sich wohlfühlen. Mit allen Verantwortlichen zusammen wurde schon einiges verändert. Ein neues Lichtkonzept, die Ministranten haben gestrichen, einen Teppich ausgesucht und gemeinsam die Schränke neu geordnet. Abschließend soll es bald noch neue Sitzbänke und eine ordentliche Garderobe geben. Die Ministranten waren großartig dabei und was man selbst anpackt, schätzt man dann auch viel mehr wert. Besonders stolz bin ich aber auf den restaurierten Himmel. Da bin ich ehrlich erschrocken, als ich den rausgeholt habe und habe mir gedacht: „Das kann es doch nicht sein, alles ist so toll und so ein Kirchenschatz läuft mit Tischdecke oben drauf umeinander“. Das freut mich jetzt wirklich, dass der auch mit Spenden der Himmelträger ganz neu hergerichtet wurde und an Fronleichnam eine richtige Schau sein wird.
Mesner sein, bedeutet für dich also einerseits die Begegnungen mit den Gläubigen und ist auf der anderen Seite mit dem Wunsch verbunden, dass sich alle in „deiner“ Kirche wohlfühlen. Sicher ist aber auch dein Arbeitsfeld durch den Wechsel im Kirchenjahr sehr vielseitig geprägt. Was gefällt dir an deinem Aufgabenbereich am besten?
St. Michael bietet durch die vielen Gottesdienste im Jahreszyklus ein hohes Maß an Reiz und Spannung. Es ist mehr Abwechslung als zuvor. Ostern als höchstes Fest ist da auf jeden Fall etwas Besonderes, aber für mich persönlich sind es der Marienmonat Mai und dann Fronleichnam, die mir am Herzen liegen. Da setze ich meine absolute Priorität. Da bin ich dann, um auf den Spagat zwischen den Orten zurückzukommen, nicht Gemeinderat in Kissing, sondern nehme als Mesner von St. Michael an der Prozession teil. Das ist für mich schon ein Erlebnis, wenn man sieht, wie die Kirche früh am Morgen voll ist und die Leute dann in die Straßen ziehen. Und jetzt freu ich mich dann umso mehr, wenn man den neu restaurierten Himmel mittragen wird.
Dann freuen wir uns mit dir auf Fronleichnam und sagen vielen Dank für das Gespräch!











4.1 Wir stellen vor_Mesner Oliver Kosel


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