Ausrufezeichen hinter der Auferstehung

Unser Bischof Zdarsa über die Bedeutung von Christi Himmelfahrt

In vielen Ohren klingt der Name des Festes "Christi Himmelfahrt" kurios. Man winkt lächelnd ab - und feiert Vatertag. Für den sogenannten modernen, aufgeklärten Menschen zählt nur das, was in Raum und Zeit wahrnehmbar ist - der Rest ist Mythologie...

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa erklärt in einem Gastbeitrag für katholisch.de, warum sich Glaube und Vernunft nicht ausschließen.

Die Wirklichkeit ist jedoch umfassender als das, was unseren Sinnen zugänglich ist. Glaube und Vernunft schließen einander eben nicht aus. Beide verweisen viel mehr auf die Vielfalt und Vielschichtigkeit der Wirklichkeit. Schon in der sogenannten Alltagswirklichkeit gibt es mitunter Phänomene, die eine verkürzte Sicht aufbrechen: Es wird berichtet, dass bisweilen Menschen mit geradezu unwiderleglicher Gewissheit spüren, dass einer ihnen eng verbundenen Person etwas zugestoßen sein muss, obgleich sie in diesem Moment in keinem Kontakt mit ihr stehen. Schon so etwas kann als Hinweis darauf verstanden werden, dass es eine Dimension der Wirklichkeit gibt, die Zeit und Raum übersteigt.

Von Jesu Himmelfahrt wird uns in der Lesung des Festtages aus der Apostelgeschichte folgendermaßen berichtet: "Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen" (Apg 1,9 ff.).

Himmelfahrt als Bestätigung der Auferstehung

Wie soll nun einer diese Texte verstehen, die nicht in der Sprache der Naturwissenschaft formuliert sind? Hat sich das nun wirklich so abgespielt? Oder haben sich das die Apostel nur eingebildet? Alle diese Texte verkünden die Wahrheit, aber in einem umfassenderen Sinn: Sie sind dabei allerdings an eine Sprache gebunden, die natürlich begrenzt ist und oft nur unzulänglich an das Darzustellende selbst heranreicht. Das gilt besonders für solche Ereignisse, die sich der raumzeitlichen Erfassbarkeit entziehen, aber dennoch unter diesen Bedingungen vermittelt werden müssen.

Zwischen Ostern, der Auferstehung Jesu, und seiner Himmelfahrt liegen vierzig Tage, in denen er sich seinen Jüngern mit verklärtem Leib immer wieder gezeigt hat. Begegnungen, bei denen er mit den Aposteln gegessen und getrunken hat, wie sie unmissverständlich immer wieder ausdrücklich erklären. Mit der Himmelfahrt endet nun diese Zwischenzeit einer allmählichen "Umgewöhnung" der Jünger. Jesus hat ihnen deutlich gemacht, dass mit seiner Auferstehung bereits seine Verherrlichung stattgefunden hat. Die Himmelfahrt Jesu können wir darum als die Bestätigung und Bekräftigung seiner Auferstehung verstehen. Sie ist gewissermaßen das Ausrufezeichen dahinter!

So endet die "letzte Erscheinung" Christi mit dem endgültigen Eintritt seiner menschlichen Natur in die göttliche Herrlichkeit, die durch die Wolke und durch den Himmel versinnbildlicht wird. Die Himmelfahrt Jesu ist also zugleich ein geschichtliches und auch übergeschichtliches Ereignis, das an der Schwelle von Erde und Himmel, von Zeit und Ewigkeit stattfindet. Hier zeigt sich auch, dass die Ewigkeit die Zeit umfasst, dass Endlichkeit und Zeitlichkeit erst von der Ewigkeit her zu begreifen sind, auf die sie hingeordnet sind.

Wahrer Gott und wahrer Mensch

Jesus gibt seine menschliche Natur an dieser Schwelle von Zeit und Ewigkeit nicht ab, er bleibt wahrer Gott und wahrer Mensch. Nun aber wird seine Menschennatur von der göttlichen Herrlichkeit völlig durchstrahlt. So ist die Himmelfahrt nicht ein Fortgehen Jesu von der Welt und von den Menschen. Er ist vielmehr in seiner Ewigkeit allen Räumen und Zeiten zugleich gegenwärtig.

Die Wolke ist von jeher ein Zeichen der Anwesenheit Gottes, der sich enthüllt und doch verhüllt bleibt. In theologischer Rede wird damit gesagt, dass Jesus nicht irgendwo in den Kosmos entschwunden ist, sondern dass er nun ganz in den Bereich Gottes eingetreten ist, um von da aus zu herrschen. Jesus Christus sitzt nun zur Rechten Gottes, wie wir es auch im Glaubensbekenntnis aussprechen. Er hat, dem Vater wesensgleich, von Ewigkeit her teil an seiner Herrscher- und Richtergewalt. Hier und heute ist er aber in seiner göttlichen Gegenwart allem und allen in einer Weise nahe, die nicht mehr den Einschränkungen von Raum und Zeit unterworfen ist.

Von Konrad Zdrasa
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