Mehr als graue Theorie!

Piusbrüder, wiederverheiratete Geschiedene , Befreiungstheologie: In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) hat sich der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, Gerhard Ludwig Müller gleich zu mehrerenThemen geäußert, die in der katholischen Kirche derzeit kontrovers diskutiert werden...

 Dabei stellte er sich erneut gegen Überlegungen, die Unauflöslichkeit des Ehesakraments im Namen der Barmherzigkeit zu relativieren. Das Evangelium von der Unauflöslichkeit der Ehe dürfe "nicht zu einer abstrakten Theorie werden, die in der Praxis der Kirche keine Rolle mehr spielt", sagte Kardinal Gerhard Ludwig Müller der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montag). Die Ehe sei eine "von Gott gestiftete Realität und nicht nur ein menschliches Ideal, das man aus eigener Kraft anzielen oder auch verfehlen kann".

Müller: Glaubenslehre und Pastoral nicht gegeneinander ausspielen

Mit Nachdruck wandte sich Müller dagegen, die Prinzipien der Glaubenslehre und einer barmherzigen Pastoral gegeneinander auszuspielen. Alle in der Kirche Verantwortlichen wollten auf diesem Gebiet seelsorgerlich helfen. Niemand argumentiere anders, weil er unbarmherzig wäre, so der Kardinal. Das kirchliche Verständnis von der Barmherzigkeit müsse aber am biblischen Maß nehmen. Katholiken, die nach einer Scheidung standesamtlich erneut geheiratet haben, sind nach offizieller Lehre unter anderem vom Empfang der Kommunion ausgeschlossen.

Müller räumte in dem Interview ein, es gebe eine "Spannung zwischen der göttlichen Stiftung der Ehe als Sakrament und der Lebensgemeinschaft von Menschen in all ihrer Begrenztheit". Die Übernahme der Praxis der Ostkirchen, von denen einige eine erneute Heirat Geschiedener erlauben, lehnte der Kurienkardinal ab. Dies habe das katholische Lehramt immer für unmöglich gehalten, betonte er.

Befreiungstheologie und die Peripherie der Kirche

Auf dem Internetportal "faz.net" äußerte sich Müller auch zur Rolle der Befreiungstheologie innerhalb der katholischen Kirche. Sie wolle das "befreiende Handeln Gottes in der religiösen und sozialen Praxis der Kirche sichtbar machen", so der Kardinal: "Ihr Grundanliegen ist deckungsgleich mit dem Evangelium für die Armen, denjenigen an der Peripherie, wie Papst Franziskus sagt", so Müller. Die Befreiungstheologie orientiere sich an der Pastoralkonstitution "Gaudium et spes" des II. Vatikanums, die sich mit der Beziehung der Kirche zur heutigen Welt befasst. Daher gehöre der theologische Beitrag Lateinamerikas selbstverständlich zur Universalkirche. Auch Papst Franziskus sei "seelsorgerlich mit dem Anliegen der Befreiungstheologie verwachsen".

In Bezug auf die Zukunft des schwierigen Verhältnisses zwischen Vatikan und Piusbruderschaft erklärte Müller: "Der Ball ist jetzt eindeutig in den Händen der Piusbruderschaft". Das sei auch die Auffassung von Papst Franziskus. Dass Benedikt XVI. in seiner Amtszeit mit der Wiedereinführung der alten Messe und der Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe auf die Piusbrüder zugegangen sei, bezeichnete Müller als legitimes Anliegen, um ein Schisma – also eine Kirchenspaltung – zu vermeiden.

Seit Ende 2009 gab es im Vatikan mehrere Gesprächsrunden mit Vertretern der Bruderschaft über strittige Lehrfragen. Im September 2011 legte der Vatikan der Leitung der Piusbrüder eine sogenannte "Lehrmäßige Erklärung" zu den grundlegenden Glaubenslehren der katholischen Kirche vor. Nur wenn die Bruderschaft das Papier akzeptiere und den darin enthaltenen Lehren zustimme, könnten Gespräche zu rechtlichen und strukturellen Fragen einer erneuten Eingliederung in die katholische Kirche aufgenommen werden. Bisher ist es noch nicht zu einer Einigung gekommen.

Von Franziskus im Amt bestätigt

Schließlich äußerte sich der Kardinal auch zur Lage der katholischen Kirche in Deutschland. Trotz einer großen Zahl an Seelsorgern, Katecheten und Religionslehrern habe sie "noch nicht die adäquate theoretische und praktische Antwort gefunden auf den Säkularisierungsprozess und die pluralistische Gesellschaft", deren Teil sie sei. Ohne einen lebendigen Glauben würden auch die guten Werke der Kirche auf Dauer "ihre Leuchtkraft verlieren", warnte der Kardinalpräfekt.

Gerhard Ludwig Müller war von 2002 bis 2012 Bischof von Regensburg, bevor ihn Papst Benedikt XVI. in den Vatikan holte. Er wurde inzwischen auch von dessen Nachfolger Franziskus als Präfekt der Glaubenskongretation bestätigt und im Februar dieses Jahres zum Kardinal ernannt. Zuvor hatte es mehrfach Spekulationen über Spannungen zwischen Beiden gegeben. In die Debatte um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in Deutschland hat sich Müller bereits mehrfach eingemischt und klargestellt, dass es seiner Ansicht nach hier keine Änderungen geben könne.

(gho/KNA)
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